Öff­ne mich

Gott, öff­ne mei­ne Augen,
da­mit ich dich se­hen kann.

Gott, öff­ne mei­ne Ohren,
da­mit ich dei­ne Wor­te hö­ren kann.

Gott, bit­te mach mein Herz ganz weit,
da­mit ich dei­ne un­end­li­che Lie­be auf­neh­men kann.

Herr, lass mich ei­ne lee­re Scha­le sein,
da­mit ich dich in dei­ner gan­zen Pracht auf­neh­men kann
und nicht ein ein­zi­ger Trop­fen von dei­ner Herr­lich­keit ver­lo­ren geht.
Amen.

 

(Aus mei­nem Buch: „Ent­flammt bin ich durch Got­tes Lie­be. Wie mys­ti­sche Er­leb­nis­se mein Le­ben veränderten“
ISBN: 978–3‑95645–125‑6)

Al­les hat sei­ne Zeit

Al­les hat sei­ne Zeit.
Ei­ne Zeit zum Blei­ben, ei­ne Zeit zum Ge­hen, ei­ne Zeit zum Ankommen …

Ein be­weg­tes Jahr liegt hin­ter mir. Ein Jahr des Um­bruchs, des Los­las­sens, Ge­hen­las­sens, des Zulassens.

Ein Jahr in dem sich al­les ver­än­der­te, es Un­si­cher­hei­ten aus­zu­hal­ten gab und das vor al­lem durch ei­nes ge­prägt war: dem ab­so­lu­tem Ver­trau­en in Gott.

Mei­ne letz­ten Blog­bei­trä­ge lie­gen nun fast ein gan­zes Jahr zu­rück. In den Bei­trä­gen ging es ums Aus­mis­ten der Woh­nung, des Spei­chers und Kel­lers. Es ging dar­um Platz zu schaf­fen für Neu­es. Nicht für Neu­an­schaf­fun­gen, son­dern für ein neu­es Zu­hau­se. Für ein Um­zie­hen, Wei­ter­zie­hen und das mit mög­lichst we­nig Bal­last. Vor ei­nem Jahr war uns be­reits seit ei­ni­ger Zeit klar, dass wir uns vor ei­ner gro­ßen Ver­än­de­rung befanden.

Nach­dem ich zum ers­ten Mal seit mei­ner Aus­wan­de­rung in die Schweiz, im Jahr 2003, Heim­weh be­kam und sich gleich­zei­tig die Ar­beits­si­tua­ti­on bei Si­mon im­mer mehr zum Schlech­ten ver­än­der­te, wur­de uns klar, so geht es nicht mehr weiter.

Je län­ger wir die Si­tua­ti­on be­trach­te­ten, des­to mehr wur­de uns klar, dass es Got­tes Wil­le ist, dass wir wei­ter­zie­hen. Und wir spür­ten schnell, dass wir bei dem Ge­dan­ken nach Ko­blenz in Deutsch­land zu zie­hen, in­ne­re Ru­he fan­den. Al­so fin­gen wir mit gro­ßem Elan an nach ei­ner Ar­beits­stel­le für Si­mon zu su­chen. Doch bald schon muss­ten wir fest­stel­len, dass es al­les an­de­re als ein­fach ist, et­was zu fin­den. Wir ver­brei­ter­ten un­se­ren Ra­di­us und such­ten bis Köln und Frank­furt, doch wir spür­ten da­bei kei­ne in­ne­re Ru­he. Denn ei­gent­lich wuss­ten wir ge­nau was wir woll­ten und das war ei­ne Ar­beit und Woh­nung in Ko­blenz oder nä­he­rer Um­ge­bung. Al­so such­ten wir wie­der im Ziel­ort. Nach vie­lem Nach­fra­gen bei po­ten­ti­el­len Ar­beit­ge­bern, fan­den wir schließ­lich im­mer mehr her­aus, was es so schwer mach­te. Es war we­der das Al­ter, noch die Qua­li­fi­ka­tio­nen. Al­so än­der­ten wir un­se­re Bewerbungstaktik.

Ne­ben der Su­che nach ei­ner Ar­beits­stel­le, such­te ich auch schon nach Um­zugs­un­ter­neh­men, las Zoll­vor­schrif­ten, küm­mer­te mich dar­um, wo man sich in Deutsch­land ver­si­chern muss, wie es mit dem An­mel­den geht, wie mit den Auf­ent­halts­be­stim­mun­gen für Schwei­zer Bür­ger, die ja nicht der EU an­ge­hö­ren und und und. Es gab sehr viel zu tun. Es muss­ten bio­me­tri­sche Pass­bil­der ge­macht wer­den, ich brauch­te ei­nen neu­en Rei­se­pass und muss­te da­zu erst ein­mal ei­nen Ter­min in der Deut­schen Bot­schaft in Bern ha­ben, Si­mon ließ sich eben­falls ei­nen neu­en Rei­se­pass ma­chen und auch ei­ne ID. Es gab sehr viel zu or­ga­ni­sie­ren, aber das ma­che ich sehr gerne.

Nach vie­lem emo­tio­na­len Auf und Ab und der Tat­sa­che, dass sich kei­ne Ar­beits­stel­le fin­den ließ, be­schlos­sen wir ganz auf Gott zu ver­trau­en und kün­dig­ten die Ar­beits­stel­le und gleich­zei­tig die Woh­nung oh­ne et­was Neu­es in Aus­sicht zu ha­ben, denn uns war klar, dass wir nach Ko­blenz zie­hen möch­ten und dass es Got­tes Wil­le ist.

Nun hat­ten wir noch drei Mo­na­te Zeit um et­was zu fin­den. Es war auf ei­ner Sei­te ein ko­mi­sches Ge­fühl so et­was zu tun, aber zu­gleich fühl­te es sich rich­tig an. Und dann ging es auf ein­mal ganz schnell. Si­mon be­kam ei­ne Stel­le und un­ter­schrieb ei­nen Ar­beits­ver­trag. Wir mie­te­ten ei­ne Fe­ri­en­woh­nung für zwei Mo­na­te, be­stell­ten ei­ne Um­zugs­fir­ma, ich ver­pack­te un­ser Hab und Gut, schrieb Um­zugs­lis­ten für die Um­zugs­fir­ma und den Zoll, put­ze die Woh­nung (nach Schwei­zer Stan­dard – Zahn­sto­cher­rein – statt Be­sen­rein), ver­schenk­ten und ver­schrot­te­ten Ge­gen­stän­de und lie­ßen Sperr­müll ab­ho­len. Si­mon nahm sei­nen ge­sam­ten Ur­laub und sei­ne Über­stun­den und dann ging es noch schnel­ler los, als ge­plant, so dass wir noch Zu­satz­über­nach­tun­gen in Ho­tels ma­chen muss­ten. Es war sehr an­stren­gend, emo­tio­nal und nicht im­mer ein­fach. Aber zu­sam­men ha­ben wir es hinbekommen.

Auch die Woh­nungs­su­che hier in Ko­blenz ver­lief al­les an­de­re als ein­fach. Doch dank Got­tes Fü­gung ka­men wir zu ei­ner schö­nen Woh­nung, in der wir nun seit zwei Mo­na­ten sind. Da­zwi­schen gab es noch zwei Mo­na­te in ei­ner Fe­ri­en­woh­nung, ein paar Näch­te in ei­nem frem­den Bett, und an­schlie­ßend zwei Näch­te auf ei­ner Ma­trat­ze auf dem Bo­den. Und das al­les nur mit dem was wir bei uns hat­ten, mit dem In­halt je ei­nes Kof­fers und je ei­nes Rucksacks.

Am 04. No­vem­ber ka­men dann end­lich un­se­re Mö­bel und al­les an­de­re wie­der zu uns, nach dem wir es am 20. Au­gust zum Ein­la­gern (oh­ne Zu­griffs­mög­lich­keit) hat­ten ab­ho­len lassen.

Ei­ne sehr be­weg­te Zeit liegt hin­ter uns.

Dan­ke Gott, dass du uns so gut ge­führt hast. Dan­ke, dass wir wie­der ein­mal mer­ken durf­ten, dass du da bist und uns nicht al­lei­ne lässt.

Lob sei dir mein Gott.

Stei­ne und Mauern

Kis­ten öff­nen – Ge­gen­stän­de sich­ten – Ge­gen­stän­de aussortieren …

Es ist, als ob man Mau­ern, die man um sich auf­ge­baut hat, nie­der­reisst. Doch beim Nie­der­reis­sen fal­len Stei­ne her­ab, sie lie­gen da und dort und blo­ckie­ren den Weg.

Stei­ne zu­sam­men sam­meln und an ei­nem an­de­ren Ort zu­sam­men­tra­gen – auf­pas­sen, dass nicht wie­der ei­ne neue Mau­er entsteht.

Nicht je­der Stein im ei­ge­nen Le­ben muss zu ei­nem Turm auf­ge­baut wer­den – manch­mal ist es auch hilf­reich ein Bau­werk wie­der ab­zu­reis­sen – ab­zu­bau­en – rückzubauen.

Stei­ne aus dem Weg räu­men – den Weg frei­ma­chen – befreien.

Frei ma­chen – frei wer­den für das, was wer­den kann und will.

Die Luft wie­der spü­ren, die die Mau­er nicht mehr durch­ge­las­sen hat – Luft zum At­men erhalten.

Das Licht se­hen, wel­ches leuch­tet – und nun nicht mehr durch das Mau­er­werk ver­deckt ist.

Die Stei­ne weg­brin­gen, aus dem Weg schaf­fen – Wei­te se­hen und wahrnehmen.

Of­fen sein für Neu­es – of­fen sein für ei­nen neu­en Weg – of­fen sein für das, was Gott vor­ge­se­hen hat.

Die Luft, das Licht und die Frei­heit wahr­neh­men und ge­spannt sein, wo­hin der wei­te­re Weg führt.

Und bis da­hin – Ge­duld ha­ben – Ge­duld ler­nen und hof­fen zu er­ken­nen, was Got­tes Wil­le ist.

Ein neu­es Jahr be­ginnt und auch mein Blog.

Die Spu­ren im Sand sind verschwunden.
Die Spu­ren im Schnee sind bald auch nicht mehr sichtbar.
Doch es gibt Spu­ren, die nicht ver­gan­gen sind und auch nicht ver­ge­hen werden.
Die­se Spu­ren stam­men von Jesus.

Ge­ra­de am An­fang ei­nes Jah­res, wo wir dar­über nach­den­ken wie das letz­te Jahr ver­lau­fen ist und was das neue Jahr brin­gen wird, ist es wich­tig, den rich­ti­gen Weg ein­zu­schla­gen. Da­her fol­gen wir die­sen ein­zig rich­ti­gen Spu­ren – fol­gen wir Je­sus nach.

Denn Je­sus spricht: „Ich bin der Weg, die Wahr­heit und das Le­ben. Nie­mand kommt zum Va­ter au­ßer durch mich.“ (Joh 14,6)

Ich wün­sche Ih­nen ein gu­tes Jahr 2015 und im­mer sicht­ba­re Spu­ren von Jesus.
Gott seg­ne und be­hü­te Sie.