Weih­nach­ten 2020

Weg von zu­hau­se, zu Fuß un­ter­wegs.
Müh­sam ei­nen lan­gen Weg ge­hen,
weil es so ge­for­dert ist.
Nicht wis­sen, ob al­les klappt wie ge­plant.
Ver­trau­en dar­auf, dass al­les gut wird.

So kann man die Ge­schich­te von Weih­nach­ten auch be­schrei­ben. Die Ge­schich­te, die so viel mit der uns­ri­gen heu­ti­gen schwie­ri­gen Zeit ge­mein­sam hat.

Sich vom Ver­trau­ten lö­sen, sich auf den Weg ma­chen an ei­nen Ort, an den man ge­hen muss, weil es so vor­ge­ge­ben ist. So er­ging es auch Ma­ria und Jo­sef. Auch sie muss­ten sich auf den Weg ma­chen. Zu Fuß von ih­rem Wohn­ort, von der Ge­bor­gen­heit ih­res Zu­hau­ses hin nach Beth­le­hem. Und das, weil es et­was gab, was es noch nie ge­ge­ben hat­te: ei­ne Steu­er­lis­te, in die sich je­der ein­tra­gen las­sen muss­te und das auch noch ge­nau an dem Ort, wo­her man stamm­te. Das war neu und zum ers­ten Mal der Fall. Und es gab auch kei­ne Aus­nah­me­re­ge­lung. Da­her gin­gen Ma­ria und Jo­sef los, ob­wohl Ma­ria hoch­schwan­ger war. Sie wuss­ten, dass sie an die­sem Tag nicht mehr zu­rück nach Hau­se kom­men konn­ten, denn der Weg war weit und sie konn­ten sich nur müh­sam und sehr lang­sam fort­be­we­gen und sie wür­den da­her in Beth­le­hem über­nach­ten müssen.

Doch auch nach­dem sie ih­rer Pflicht nach­ge­kom­men wa­ren, wur­de es nicht bes­ser, denn al­le Un­ter­künf­te wa­ren aus­ge­bucht und es blieb nur noch ein Stall üb­rig, in dem sie blei­ben konn­ten. Und dann setz­ten auch noch die We­hen ein und Ma­ria be­kam ihr Kind. In ei­nem Stall, im Stroh, an ei­nem ein­sa­men Ort, oh­ne Hil­fe von ih­ren Na­he­ste­hen­den. Und dann ka­men auch noch Hir­ten, um sich das Neu­ge­bo­re­ne an­zu­schau­en, denn ih­nen hat­ten En­gel von der Ge­burt be­rich­tet und ih­nen mit­ge­teilt, dass ge­ra­de der Ret­ter der Welt, der Mes­si­as, der Herr ge­bo­ren wor­den wä­re. Und so ka­men sie, um die gro­ße Freu­de der En­gel ver­ste­hen zu kön­nen. Und dann ka­men auch noch Stern­deu­ter und brach­ten Ge­schen­ke: Gold, Weih­rauch und Myr­rhe und sie war­fen sich nie­der vor dem Kind, wel­ches in Win­deln ge­wi­ckelt in ei­ner Fut­ter­krip­pe lag. Und dann, als es end­lich ru­hig war und sie sich schla­fen ge­legt hat­ten, er­schien Jo­sef ein En­gel und sag­te ihm, dass sie flie­hen müs­sen, weil Kö­nig He­ro­des das Kind tö­ten las­sen wol­le, da das Kind der vor­her­ge­sag­te Kö­nig der Ju­den sei. Und so ka­men sie nicht zu Ru­he, son­dern mach­ten sich noch mit­ten in der Nacht auf den Weg nach Ägyp­ten, ganz so wie es der En­gel ih­nen ge­sagt hat­te und war­te­ten dort auf die Nach­richt, wann sie end­lich wie­der zu­rück in ih­re Hei­mat kom­men könn­ten. Erst als ir­gend­wann der Tag kam, dass He­ro­des ge­stor­ben war, kam der En­gel er­neut und teil­te ih­nen mit, dass sie nun wie­der zu­rück nach Is­ra­el zie­hen sol­len und so gin­gen sie nach ei­ner wei­te­ren Wei­sung nach Na­za­reth und lie­ßen sich dort nie­der. Es war ein lan­ger, wei­ter und an­stren­gen­der Weg.

Ei­ne hef­ti­ge Ge­schich­te, gar nicht ro­man­tisch und ku­sche­lig, son­dern ei­ne schwe­re Zeit, die Jo­sef, Ma­ria und Je­sus zu be­stehen hat­ten. Ganz an­ders als wir sie uns oft vor­stel­len, wenn wir in un­se­ren war­men Stu­ben in der Nä­he des Weih­nachts­bau­mes sit­zen und viel­leicht auf ei­ne Krip­pe schau­en und dort un­ter an­de­rem Ochs und Esel ste­hen se­hen und Je­sus in ei­ner Fut­ter­krip­pe lie­gend und der Stern leuch­tet und al­les so har­mo­nisch und lieb­lich aussieht.

Auch un­ser Weih­nach­ten ist in die­sem Jahr nicht ku­sche­lig und lieb­lich. Auch un­ser Le­ben wird von et­was be­stimmt, was neu ist, von et­was, was es so noch nie gab. Auch un­ser Le­ben wird von Vor­ga­ben be­stimmt, die uns nicht im­mer ge­fal­len. Aber auch wir müs­sen uns dar­an hal­ten, auch für uns gibt es kei­ne Aus­nah­me­re­geln. Wir müs­sen zwar nicht zu Fuß an ei­nen weit ent­fern­ten Ort lau­fen, aber auch wir sind auf uns al­lei­ne zu­rück­ge­wor­fen. Wir sind ent­fernt von un­se­ren uns Na­he­ste­hen­den. Auch wir sind ein­sam. Wir wol­len nicht al­lei­ne sein, aber wir dür­fen es mo­men­tan nicht an­ders. Und ganz so wie es auch Ma­ria und Jo­sef ta­ten, so müs­sen auch wir uns heu­te an die Vor­schrif­ten hal­ten. Auch un­ser Le­ben ist be­droht. Bei uns ist es kein Mensch, der uns oder ei­nen un­se­rer Liebs­ten tö­ten möch­te, aber es gibt ei­nen un­sicht­ba­ren Feind: das Co­ro­na-Vi­rus. Wir müs­sen nicht in die Fer­ne flie­hen, aber wir müs­sen uns zu­rück­zie­hen in die Ein­sam­keit. Wir müs­sen al­lei­ne blei­ben, auch wenn es uns schwer­fällt. Auch wir hof­fen dar­auf, dass al­les gut wird und war­ten auf die er­lö­sen­de Botschaft.

Ma­ria und Jo­sef mit Je­sus hät­ten sich be­stimmt auch ei­ne bes­se­re Zeit ge­wünscht und trotz­dem ha­ben sie dar­auf ver­traut, dass al­les gut wird. Auch in un­se­rer schwe­ren Zeit soll­ten wir auf Je­sus schau­en und auf Ma­ria und Jo­sef und sie zum Vor­bild neh­men und er­ken­nen, dass wir an Weih­nach­ten 2020 viel nä­her an der Ge­schich­te der Ge­burt Je­su dran sind als in den Jah­ren zu­vor. Dann wer­den wir ver­ste­hen, dass Je­sus in un­se­rer Ein­sam­keit, bei un­se­ren Pro­ble­men und bei un­se­ren Ängs­ten mit uns un­ter­wegs ist, denn er weiß, was dies be­deu­tet. Wenn wir er­ken­nen, dass Je­sus ge­kom­men ist, um uns den Weg zu un­se­rem Heil, zu Gott, un­se­rem Va­ter frei zu ma­chen, dann wird uns die Be­deu­tung von Weih­nach­ten bes­ser klar und viel­leicht wer­den auch wir dann den Ruf des En­gels hö­ren: „Fürch­tet euch nicht!“

Und so be­hü­te und be­schüt­ze uns Gott vor al­lem Übel und schen­ke uns Ein­sicht, Kraft und Zu­ver­sicht und die Hoff­nung dar­auf, dass all das, was wird, gut wird. Amen.

Ilo­na Anderegg

Gott, ich bin müde

Gott, ich bin mü­de. Mü­de, dar­über zu re­den, was du mir Gro­ßes hast zu­kom­men las­sen, über das, was ich dank dei­ner Gna­de er­fah­ren durf­te. Mü­de, weil nie­mand dar­an In­ter­es­se zu ha­ben scheint. We­der „die Kir­che“ mit ih­ren Theo­lo­gen und Pfarr­per­so­nen noch sons­ti­ge Ge­lehr­te wol­len hö­ren, was ich mit dir und durch dich er­lebt habe.

Sie wol­len oder kön­nen nicht er­ken­nen, dass du, mein Herr, ei­ni­gen Men­schen dei­ne Nä­he schenkst, ei­ne Nä­he, die an­de­re nicht ken­nen­ge­lernt ha­ben. Du al­lein ent­schei­dest dar­über, wer mehr von dir er­fah­ren darf und wer nicht. Aber das will man nicht wahr­ha­ben, will man nicht hö­ren, will man nicht wis­sen. Denn sie, die Ge­lehr­ten, wol­len ge­nau wis­sen, wie du, mein Gott funk­tio­nierst. Sie mei­nen al­les im Griff zu ha­ben, dich im Griff zu ha­ben, dir gleich zu sein oder viel­leicht so­gar noch hö­her und mäch­ti­ger zu sein als du.

Doch sie mer­ken nicht, dass sie dein Wir­ken nicht ver­ste­hen, dass sie dei­ne Wor­te miss­ver­ste­hen, doch sie re­den vol­ler Macht und vol­ler Über­zeu­gung. Und da ih­re Wor­te so viel Kraft be­sit­zen, ih­re Stim­men so laut sind, über­tö­nen sie da­mit die lei­sen Stim­men der Men­schen, die dein Wort nicht hin­aus­schrei­en, son­dern es be­wah­ren wol­len, so wie es ist: hei­lig und vol­ler Wirkung.

Sie, die lau­ten Stim­men, er­sti­cken dein Wort. Sie er­drü­cken die Saat, die du mein Gott, aus­ge­sät hast, mit ih­ren Dor­nen. Und geht doch ein Teil der Saat auf, sind ih­re Früch­te bitter.

Doch dei­ne Frucht, mein Herr, ist süß, fruch­tig und saf­tig. Dein Wort be­lebt und gibt Kraft. Es macht Lust dar­auf, mehr von dir zu hö­ren, mehr von dir zu er­fah­ren, mehr von dei­ner Nä­he zu spüren.

Doch es macht mü­de, im­mer ge­gen die Laut­stär­ke der Men­schen an­re­den zu müs­sen. Denn wem hört man zu?

Auch du, mein Gott, sprichst nicht mit lau­ter Stim­me, son­dern in lei­sen Tö­nen. Du musst dich nicht laut er­he­ben, nein, du sprichst so, wie es für die Men­schen, die du er­rei­chen möch­test, gut ist.

Nicht wer am lau­tes­ten ist, hat Recht, son­dern du, mein Gott, hast die Wor­te der Wahr­heit. Dei­ne Wor­te er­rei­chen nicht nur das Ohr, son­dern un­ser Herz. Du er­reichst un­ser In­ne­res, du ver­wan­delst uns. Dein Wort dröhnt nicht, dein Wort er­weicht. Es er­weicht das Har­te in uns, es zer­bricht un­se­re in­ne­ren Mauern.

Doch auf das Lei­se wol­len die Men­schen nicht mehr ach­ten. Sie wol­len auch nicht auf­bre­chen, we­der im In­ne­ren, noch im Äu­ße­ren. Sie wol­len al­les ha­ben, al­les be­sit­zen, al­les er­rei­chen. Doch sie wol­len kei­ne Ver­än­de­run­gen. Sie wol­len, dass al­les so bleibt, wie es ist. Dass al­les Be­stand hat, so wie sie es sich er­rich­tet ha­ben, so wie sie es sich be­quem ein­ge­rich­tet haben.

Doch dein Wort lässt nichts wie zu­vor. Dein Wort be­rührt, dein Wort rüt­telt auf, dein Wort lässt Al­tes zer­bre­chen, lässt al­les in Fra­ge stel­len, lässt den al­ten Men­schen zu­rück. Ein Neu­be­ginn steht bevor.

Doch Ver­än­de­run­gen will der Mensch nicht. Un­ge­wiss­heit will der Mensch nicht. Der Mensch will al­les be­herr­schen, will al­les im Griff ha­ben, al­les un­ter Kon­trol­le ha­ben. Doch du, mein Gott, bist Herr. Du bist der Herr der Welt, du bist der Schöp­fer von Him­mel und Er­de und von al­lem, was ist und sein wird. Du bist Herr und bleibst Herr. Und nur wer dich als Herr er­kennt und dich als Herr an­er­kennt, wird dei­ne Herr­schaft so an­er­ken­nen, dass er sich dir un­ter­wirft. Un­ter­wer­fen heißt nicht, dass wir kei­nen frei­en Wil­len mehr ha­ben wer­den, son­dern, dass wir uns ver­trau­ens­voll an dich wen­den dür­fen, uns von dir füh­ren las­sen dür­fen, wir dir un­se­re Schwach­heit über­las­sen, da­mit du uns dei­ne Stär­ke ge­ben kannst.

Nur durch dich und mit dir ist ech­tes Le­ben leb­bar. Denn du bist un­se­re Quel­le, aus dir sind wir ge­schaf­fen, durch dich le­ben wir und durch dich wer­den wir be­lebt, wenn wir in­ner­lich zu ver­dor­ren drohen.

Doch die Men­schen wol­len es oh­ne dich schaf­fen. Sie glau­ben, sie sind stark. Sie glau­ben, sie wis­sen al­les und kön­nen al­les und da­her fra­gen sie nicht mehr nach dir. Du, mein Gott, wur­dest aus ih­ren Le­ben ver­bannt. Es geht ih­nen zu gut, um nach dir zu fra­gen. Und wenn es ih­nen nicht gut geht oder es Ka­ta­stro­phen gibt, dann sa­gen sie, dass es so et­was Schlech­tes nicht ge­ben wür­de, gä­be es ei­nen Gott.

So dre­hen sie al­les hin und her, um um dich her­um zu kom­men. Doch du bist da, mein Gott, ich weiß es, ich ha­be dich er­lebt, ich kann dich be­zeu­gen. Doch wenn ich da­von er­zäh­len möch­te, will man es nicht hören.

Die­se Men­schen be­schäf­ti­gen sich mit Mys­tik und dre­hen die Be­deu­tung da­von so lan­ge hin und her, bis sie für sie stimmt. Sie be­haup­ten, wenn sie Bü­cher über Mys­tik le­sen, sind sie selbst Mys­ti­ker. Oder sie be­haup­ten, sie sind auf ei­nem mys­ti­schen Weg un­ter­wegs und sind da­her Mys­ti­ker. Aber was ist ein „mys­ti­scher Weg“? Sie be­haup­ten, je­der ist ein Mys­ti­ker oder je­der kann ein Mys­ti­ker sein. Sie bie­ten We­ge und Kur­se an, um Mys­ti­ker zu wer­den. Sie be­haup­ten, Mys­tik ist nichts Über­sinn­li­ches, nichts Un­ge­wöhn­li­ches, nichts Be­son­de­res. Sie al­le re­den über Mys­tik, er­ken­nen aber nicht, was sich tat­säch­lich da­hin­ter ver­birgt. Sie wol­len auch gar nicht hö­ren, dass du, mein Gott, be­stimm­te Men­schen aus­er­wählst oder aus­er­wählt hast, de­nen du dei­ne so ex­tre­me Nä­he und Lie­be ge­schenkt hast. Dass du al­lein die­ses Ge­schenk den Er­wähl­ten hast zu­kom­men las­sen. Sie wol­len dies nicht wahr­ha­ben, denn sie al­le wol­len sich auf die glei­che Stu­fe stel­len wie die, die et­was Au­ßer­ge­wöhn­li­ches er­lebt ha­ben. Da­her wol­len sie nicht hö­ren, dass es Men­schen gibt, die du, mein Gott, mit sol­chen be­son­de­ren Ga­ben be­schenkst. Sie sa­gen, Vi­sio­nen und Au­di­tio­nen sind un­wich­tig. Da­bei sind dies Ga­ben von dir. Wie kann et­was, was von dir kommt, un­wich­tig sein? Nein, die­se Ga­ben sind eben­so wich­tig, wie al­les an­de­re, was du uns schenkst.

Dei­ne über­flie­ßen­de Lie­be ist un­be­schreib­lich, und sie zu tei­len ist et­was, was so sehr not­wen­dig ist. Doch wie soll das ge­hen, wenn nie­mand von dei­ner Lie­be be­rührt wer­den will? Oder nur auf die Art und Wei­se, wie es je­der für sich selbst ha­ben will?

So­lan­ge „un­wis­sen­de“ Men­schen ih­re Stim­me laut er­he­ben, so lan­ge wird der Mensch, der dich, mein Gott, so tief er­lebt hat, dass al­les Al­te in ihm zer­stört wur­de und du in ihm ei­ne neue In­ner­lich­keit auf­ge­baut hast, nicht er­hört wer­den. So lan­ge kann ich nicht er­hört werden.

Wie, mein Gott, kann ich dei­ne Lie­be, dein Wort, dein Wir­ken un­ter die Men­schen brin­gen, wenn mei­ne Stim­me nicht durch die Laut­heit der von sich so sehr über­zeug­ten Men­schen drin­gen kann?

Die Welt scheint kei­nen Platz mehr für die lei­sen, sen­si­blen, emp­find­sa­men Men­schen zu haben.

Ich möch­te über dich re­den, Herr. Über dein Wir­ken be­rich­ten. Dar­über, was du mir ge­schenkt hast, mein Gott. Dar­über, wie du mich be­rührt und ver­än­dert hast und was aus dei­nem Wir­ken ge­wor­den ist. Und auch dar­über, wie schwer es ist, heu­te dar­über zu re­den und rich­tig ver­stan­den zu werden.

Je­der will Mys­ti­ker sein, je­der will sei­nen Glau­ben so zu­sam­men­mi­xen, wie er es möch­te. Es gibt kei­ne Gren­zen mehr, es gibt kei­ne ein­deu­ti­gen We­ge mehr, es gibt kei­ne Ein­schrän­kun­gen. Al­les ist mög­lich und al­les ist zu­ge­las­sen. Es gibt kei­ne Ta­bus mehr und al­les ist recht. So­gar in dei­nem Na­men wird vie­les „ver­kauft“. Der Glau­be an dich wird „ver­ramscht“. Der Glau­be an dich wird ver­wäs­sert. Al­les ist gut, so­lan­ge es nicht ir­gend­wie bö­se ist. Al­le We­ge sol­len an­geb­lich zu dir füh­ren. Wo­für hast du Je­sus ge­schickt, wenn es doch nicht nur die­sen ei­nen Weg gibt, den du uns durch Je­sus auf­ge­zeigt hast? Ist Je­sus ver­ges­sen wor­den, ist Je­sus um­sonst zu uns gekommen?

Je­sus hat schon da­vor ge­warnt, dass vie­le fal­sche Pro­phe­ten auf­tre­ten wer­den. Sind wir blind da­für ge­wor­den? Sind wir taub ge­wor­den? Fällt dein Wort nur noch auf har­ten Bo­den? Oder wird dein Wort durch fal­sche Wor­te er­stickt? Brin­gen die Sa­men nur noch bit­te­re Früch­te, weil sie auf fal­schen Grund fal­len und sie so­mit verderben?

Gott, wo sind die Men­schen, die of­fen sind für dei­ne Wor­te? Wo sind die Men­schen die er­fah­ren wol­len, wie du bist und wie du wirkst? Wo sind die Men­schen, die hö­ren wol­len, was du von ih­nen und für sie möch­test? Wo soll ich re­den von dir? Wo kann ich den Bo­den auf­lo­ckern, da­mit du dei­ne gu­ten Wor­te sä­en kannst und sie gu­te Frucht brin­gen kön­nen? Wie und wo soll ich wir­ken? Gott, zei­ge mir den Weg, den ich ge­hen soll, da­mit ich dir die­nen kann und ich da­mit den Men­schen Gu­tes tun und ih­nen hel­fen kann und ich so­mit dei­nen Auf­trag um­set­zen kann.

Gott, bit­te hilf mir ge­gen mei­ne Mü­dig­keit. Gott, bit­te hilf mir ge­gen die lau­ten Stim­men in der Welt. Hilf mir, da­mit mei­ne lei­sen Wor­te gu­te Frucht brin­gen und die Men­schen sich da­durch öff­nen für dich, dei­ne Wor­te und dei­ne un­end­li­che Lie­be. Amen

31.07.2020

Weih­nach­ten 2019

Weih­nach­ten 2019

Es ist käl­ter ge­wor­den und die Ta­ge sind nicht mehr so lang von Hel­lig­keit durchzogen. 

Wir het­zen durchs Le­ben, durch die Stra­ßen, durch die Stadt, vor­bei an Lich­ter­ket­ten, die uns die Dun­kel­heit er­hel­len wollen.

Wir lau­fen über Weih­nachts­märk­te, die uns mit den ver­schie­dens­ten Ge­rü­chen zu Glüh­wein, Waf­feln oder ei­ner Brat­wurst einladen.

Wir ge­hen in vie­le Ge­schäf­te auf der Su­che nach Din­gen, die wir gar nicht be­nö­ti­gen, um et­was zu er­gat­tern, was wir ver­pa­cken und ver­schen­ken kön­nen, weil wir wis­sen, dass an­de­re Men­schen dies eben­falls so tun.

Auch wenn wir nach und nach die Ker­zen auf dem Ad­vents­kranz ent­zün­den und die Tür­chen des Ad­vents­ka­len­ders öff­nen, ver­ges­sen wir oft vor lau­ter Het­ze und Stress die Be­deu­tung des Er­eig­nis­ses, das so wich­tig ist, dass wir es je­des Jahr er­neut fei­ern. Es geht nicht um Ur­laub, Weih­nachts­bäu­me und Päck­chen, son­dern es geht um das ein­zi­ge Ge­schenk, das je­den Men­schen ganz per­sön­lich be­trifft, es geht um die Ge­burt von Je­sus Christus. 

Mit Je­sus kam Gott selbst zu uns Men­schen. Mit ihm kam das Licht in die Welt, das Licht, das un­se­re in­ne­re Dun­kel­heit ver­treibt. Er ist es, der uns den Weg zum Him­mel zeigt, wenn wir auf sei­nem Weg wan­deln. Er ist es, der uns den wah­ren Frie­den und sei­ne un­end­li­che Lie­be schenkt, die wir spü­ren, wenn wir „ja“ zu ihm sagen.

Freu­en wir uns auf das ein­zi­ge Ge­schenk, das wirk­lich wich­tig ist für uns und öff­nen wir nicht nur die Tü­ren des Ad­vents­ka­len­ders son­dern auch un­se­re Her­zens­tür, da­mit Weih­nach­ten auch in un­se­rem In­ne­ren statt­fin­den kann und Je­sus auch in uns ge­bo­ren wird.

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Weih­nach­ten 2018

Weih­nach­ten 2018

Es ist dun­kel. Sie lie­gen im Bett und den­ken über den ver­gan­ge­nen Tag nach. Ja, es war viel zu er­le­di­gen, aber Sie ha­ben ih­re Ar­beit gut be­wäl­tigt. Auch das Ein­kau­fen am Abend hat­te rei­bungs­los ge­klappt, das Es­sen hat­te ge­schmeckt und das Te­le­fon­ge­spräch mit ei­nem Freund war schön und har­mo­nisch ge­we­sen. Es pass­te rundherum.

Doch nun lie­gen Sie da und kön­nen nicht ein­schla­fen. Sie schau­en zum Fens­ter hin­aus, se­hen den Mond und die Ster­ne und stel­len fest, wie klar der Him­mel ist. Al­les ist ru­hig. Auf ein­mal wird es strah­lend hell in Ih­rem Schlaf­zim­mer. Es ist, als ob mit ei­nem star­ken Strah­ler in Ihr Zim­mer hin­ein ge­leuch­tet wird. Sie be­kom­men Angst, sind starr vor Schreck, wis­sen nicht, was da ge­ra­de vor sich geht.

Auf ein­mal se­hen Sie et­was in dem hel­len Licht. Zu­erst ist es noch un­deut­lich, doch dann er­ken­nen Sie, dass es ein En­gel ist, der Sie anschaut.

Ein En­gel? Gibt es so et­was? Ach, den­ken Sie, Sie sind wohl doch schon ein­ge­schla­fen und träu­men. Doch als Sie sich mit den Hän­den über die Au­gen rei­ben, mer­ken Sie, dass Sie hell­wach sind und das Licht und der En­gel im­mer noch da sind.

Ih­re Angst wird stär­ker. Da hö­ren Sie die Wor­te: „Fürch­te dich nicht!“

„Hä? Was ist denn nun los, was pas­siert mit mir?“, fra­gen Sie sich. „Ha­be ich zu viel ge­trun­ken oder bin ich krank? Spin­ne ich?“ Als Sie noch dar­über nach­den­ken, was das sein könn­te, was Ih­nen ge­ra­de pas­siert, spricht der En­gel er­neut zu Ih­nen. Er er­zählt, dass et­was Gro­ßes pas­siert ist. Er re­det von Frie­den und Lie­be und et­was von ei­nem Ret­ter. Er spricht von ei­nem Ort, wo sich dies al­les ge­ra­de ereignet.

Im­mer noch glau­ben Sie zu träu­men, aber da er­schei­nen am Him­mel wei­te­re En­gel und sin­gen vor Freu­de und ju­beln begeistert.

Sie set­zen sich auf, das Licht ver­geht, die En­gel sind ver­schwun­den. War es doch nur ein Traum?

Die Mü­dig­keit ist ver­schwun­den, die Angst eben­so. Was tun? Schla­fen und al­les als Ein­bil­dung ab­tun? Ver­su­chen zu er­klä­ren, ob es das, was Sie ge­ra­de er­lebt ha­ben, tat­säch­lich gibt? Oder dar­über schweigen?

Da kommt Ih­nen ei­ne Idee. Sie sprin­gen aus dem Bett, zie­hen sich an und fah­ren mit dem Au­to durch die Dun­kel­heit an den Ort, den Ih­nen der En­gel ge­nannt hat. Als Sie an der ge­nann­ten Adres­se an­kom­men, öff­nen Sie die Tür, schau­en vor­sich­tig hin­ein und se­hen al­les ge­nau so, wie es der En­gel be­schrie­ben hat. Es war kein Traum. Sie sind über­wäl­tigt und fra­gen sich, war­um Sie bis­her an sol­chen Phä­no­me­nen ge­zwei­felt haben.

Wie wür­den Sie, lie­be Le­se­rin, lie­ber Le­ser, re­agie­ren? Wür­den Sie dar­an zwei­feln, dass es En­gel gibt? Wür­den Sie dar­an zwei­feln, dass ein En­gel oder gar Gott selbst zu Ih­nen re­den kann? Wä­ren Sie los­ge­fah­ren und hät­ten nach­ge­se­hen, ob es wahr ist, was Sie er­lebt ha­ben oder hät­ten Sie es für ei­nen Traum gehalten?

Egal was Ih­nen ge­ra­de durch den Kopf geht, ei­nes ist si­cher: Gott re­det tat­säch­lich zu uns. Manch­mal macht er es di­rekt, manch­mal nutzt er Bo­ten da­für. Gott hat schon im­mer zu uns Men­schen ge­re­det und tut es auch heu­te noch. Lei­der sind wir heu­te so ge­prägt, dass al­les, was nicht wis­sen­schaft­lich er­klär­bar ist, nichts wert ist. Wenn wir uns aber öff­nen und wie­der sen­si­bler wer­den für all die Din­ge, die zwi­schen Him­mel und Er­de exis­tie­ren, dann wer­den auch wir Gott er­fah­ren und mit ei­ner un­end­li­chen Lie­be und ei­nem tie­fen in­ne­ren Frie­den er­füllt, die es nur von ihm gibt.

Die­se un­end­li­che Lie­be und die­ser tie­fe in­ne­re Frie­de von Gott sind es, die die Men­schen ein­an­der die Hän­de rei­chen und je­den Krieg ver­eb­ben lassen.

Da­her öff­nen wir un­se­re Sin­ne, wer­den wir durch­läs­sig für Gott und las­sen uns von ihm er­fül­len, da­mit der Frie­de von Gott, der Frie­de un­se­res Herrn Je­sus Chris­tus um die Welt ge­hen kann und es Frie­den gibt auf der gan­zen Welt. Und da­mit auch wir wie die En­gel, die in der Weih­nachts­ge­schich­te den Hir­ten die Ge­burt un­se­res Ret­ters ver­kün­de­ten, vor Freu­de ju­bi­lie­ren und in den Lob­ge­sang mit ein­stim­men wer­den. Denn wer Gott er­fährt, der kann nur ju­beln vor Freu­de und Glückseligkeit.

Ich wün­sche Ih­nen ein fried­li­ches und be­sinn­li­ches Weih­nachts­fest und of­fe­ne Sin­ne und Neu­gier­de auf Got­tes Botschaft.

„Eh­re sei Gott in der Hö­he und Frie­den auf Erden.“

Ilo­na Anderegg

 

Zwei­feln

Zwei­feln

Kei­ne Zwei­fel vorhanden,
oder doch?

War­um kön­nen wir Luft einatmen,
ob­wohl wir doch kei­ne Luft sehen?
Wo­her wol­len wir wissen,
dass es Luft gibt?

War­um spre­chen wir über ein Vakuum,
ob­wohl wir es nicht anfassen
oder ver­mes­sen können?

War­um sind Ge­dan­ken vorhanden,
ob­wohl sie nicht greif­bar sind?

Wo sind die Er­in­ne­run­gen hin,
wenn wir uns an et­was nicht be­sin­nen können?

Wie­viel Zu­nei­gung braucht es,
um von Lie­be zu sprechen?

Wann ist Lie­be kei­ne Liebe
und gibt es sie überhaupt,
wenn sie wis­sen­schaft­lich nicht greif­bar ist?

Über all die oben ge­nann­ten Dinge
ma­chen wir uns we­nig Gedanken
und zwei­feln dar­an über­haupt nicht.

Wenn wir al­so dar­an glauben,
dass es Luft,
Vakuum,
Erinnerungen
und Lie­be gibt,
war­um zwei­feln wir dann daran,
dass es Gott gibt?

Ilo­na Anderegg

Aus mei­nem Buch: 
„Hö­her se­hen. Weis­hei­ten und Betrachtungen“ 
ISBN 978–3741895746

Du bist alles

Re­den,
sich mitteilen,
die Lie­be teilen.

Auf Je­sus verweisen,
Gott verkünden.

Ich möch­te über dich re­den, Herr,
er­zäh­len, wie du bist.

So stark,
so überwältigend,
so verwirrend,
das Le­ben zerrüttelnd.

Aber zu­gleich so toll,
so unbeschreiblich,
mit nichts zu vergleichen.

So er­fül­lend,
umhüllend,
so al­les in allem,
nicht mit Wor­ten auszudrücken.

Du bist alles.
Oh­ne dich ist nichts.

Du bist wie der Atem,
oh­ne den ich nicht le­ben kann.

Du bist wie das Herz,
das be-lebt.

Du bist wie ein Reiz,
der sich durch den ge­sam­ten Kör­per fortsetzt
und je­de Zel­le erreicht.

Du bist wie die Haut,
die mich umhüllt.

Du bist Windhauch
und zu­gleich Orkan.

Du bist ein Wassertropfen
und zu­gleich ein Meer.

Du bist mal Glut,
mal lo­dern­des Feuer.

Du brennst,
ver­brennst aber nicht.

Du bist wie mei­ne Knochen,
stüt­zend und Halt gebend.

Du bist mein Ohr,
mei­ne Augen,
mein Mund.

Du bist ich
und ich bin du.

Ei­ner geht nicht oh­ne den anderen.

Wir sind eins.

Ilo­na Anderegg

Aus meinem Buch:
„Nur du kannst un­se­re Sehn­sucht stil­len. Geist­li­che Texte“ 
ISBN 978–3746707723

Weih­nach­ten

Nicht das Lau­te ist das, was wirkt,
nicht das Star­ke ist entscheidend,
auch nicht das Geld, der Ruhm und die Anerkennung.

Das Lei­se ist es, was berührt,
das Schwa­che ist uns nah.

Das, was am An­fang un­schein­bar scheint,
das, was wir nicht be­ach­ten oder wo wir dar­über hin­weg­se­hen, ist es,
was wirk­lich groß ist.

Das Klei­ne wird groß,
das Schwa­che wird stark,
das Ein­fa­che zu et­was Besonderem.
Die Dun­kel­heit wird erhellt,
die Nacht erleuchtet.

Die ein­fa­chen Men­schen er­kann­ten die Zeichen,
die Wei­sen mach­ten sich auf den Weg,
auf den Weg zu dem ein­fa­chen Ort,
an dem Gro­ßes geschah.

Ein Er­eig­nis, das die Welt ver­än­dern sollte.
Ein Ge­sche­hen, was die Men­schen be­rüh­ren und er­fül­len sollte,
was den Men­schen Frie­den und Freu­de bringt.
Ein Licht in der Dunkelheit
und Lie­be, die im­mer und ewig währt.
Da­mals und heu­te noch.

Das al­les und so viel mehr,
durch Je­su Geburt.

Ilo­na An­deregg, Weih­nach­ten 2017

 

Feu­er, Frie­den, Licht

Es kann noch so kalt sein,
Gott wird dich in­ner­lich erwärmen.

Es kann noch so stür­misch sein,
Gott wird dir tie­fen Frie­den geben.

Es kann noch so dun­kel sein,
Gott gibt dir ein in­ne­res Licht,
so dass dich kein Weg ins Düs­te­re führt,
du nicht wan­ken musst und nicht erkalten.

Gott ist dein Feu­er, dein Frie­den und dein Licht.

Bleib bei Gott und er bleibt bei dir.
Geh zu Gott und er geht mit dir.
Ver­wei­se auf Gott und dein Weg wird nie mehr ein­sam sein,
denn dann wer­den auch an­de­re Men­schen mit Gott und dir un­ter­wegs sein.

Gib ab vom Feu­er, von der in­ne­ren Ru­he und vom Licht, das du von Gott er­hal­ten hast und im­mer wie­der er­hältst. So kannst du es vermehren.

Sei selbst Feu­er, Frie­den und Licht.

Sei im­mer mehr Gott, nicht Gott selbst, aber wer­de Gott im­mer ähnlicher.

Geh mit Gott, fol­ge Je­sus nach, wand­le in sei­nem Geist,
da­mit die Welt wär­mer, fried­li­cher und hel­ler wird,
dank Got­tes Hil­fe und dank dir. Amen.

Ilo­na An­deregg, 27.09.2017

Buch, Buch­hand­lun­gen und die Fra­ge: „Wie kön­nen wir Chris­ten ein­la­dend sein?“

Wenn man Bü­cher schreibt, muss man auch da­für sor­gen, dass be­kannt wird, dass es sie gibt. Da­her bin ich mit Le­se­pro­be, Fly­er und Buch los­ge­zo­gen, um mein Buch in den Buch­hand­lun­gen vorzustellen.

Es kos­te­te mich Über­win­dung, aber trotz­dem ging ich fro­hen Mu­tes in den ers­ten Buch­la­den. Ich stell­te mich der Buch­händ­le­rin vor und zeig­te ihr mein Buch. Sie schau­te nur kurz auf die Rück­sei­te und sag­te „Aha, bei epu­bli ver­öf­fent­licht, das ist gut, das ist dann nor­mal be­stell­bar“, leg­te das Buch zur Sei­te und re­de­te von Zah­len, Kos­ten, Um­sät­zen, Ge­win­nen und da­von, wie vie­le Bü­cher pro Jahr auf den Markt kä­men und, und, und. Au­ßer­dem wür­den Kun­den, die christ­li­che Bü­cher su­chen, nicht zu ih­nen kom­men (ob­wohl sie ei­ne Ecke ha­ben, wo es christ­li­che Li­te­ra­tur gibt). Kurz und knapp: Sie schau­te sich die Le­se­pro­be nicht an, schau­te nicht ins Buch, las auch nicht die Be­schrei­bung auf der Rück­sei­te und der Fly­er war eben­falls un­in­ter­es­sant. Fa­zit: Ich bin wie­der ge­gan­gen und ha­be al­les wie­der mit­ge­nom­men. Scha­de, dass es in die­sem Buch­la­den nur um Zah­len geht und man mir als Kun­din und re­gio­na­le Au­torin kei­ne Chan­ce gibt.

Dann bin ich in ei­ne wei­te­re Buch­hand­lung ge­gan­gen. Die Chefs wa­ren nicht an­we­send, aber ei­ne sehr freund­li­che Mit­ar­bei­te­rin. Sie nahm die Le­se­pro­be und den Fly­er ent­ge­gen, schau­te sich das Buch an und sag­te mir, dass sie ih­re Chefs in­for­mie­ren wür­de. Ich sol­le bei Ge­le­gen­heit ein­fach noch ein­mal rein­schau­en und auch mal selbst mit den Chefs re­den. Das war für mich sehr erfreulich.

Jetzt gab es noch ei­ne wei­te­re Buch­hand­lung, ei­ne christ­li­che, aber dort war ich das letz­te Mal drin, be­vor ich in die Schweiz ge­zo­gen bin. Aber mir ge­fiel es dort nicht, es war ir­gend­wie ko­misch (ich weiß nicht, wie ich es aus­drü­cken soll). Ich zö­ger­te, soll ich dort hin­ge­hen oder bes­ser nicht? Da ich aber mein Buch be­kannt ma­chen möch­te, war ich mu­tig. Ich schau­te durchs Fens­ter in den La­den und sah zwei Frau­en hin­ter ei­ner The­ke und ei­nem Tisch. Ich öff­ne­te die Tür und ging hin­ein. Ich frag­te, ob ich ih­nen mein neu­es Buch vor­stel­len darf.  Die Frau hin­ter der The­ke schau­te mich an und frag­te: „Sind sie wie­der­ge­bo­re­ner Christ?“ da­bei schau­te sie mich sehr in­ten­siv an. Ich war et­was per­plex. „Ja“, sag­te ich. Es dau­er­te nur ein paar Se­kun­den da kam die nächs­te Fra­ge: „Ha­ben sie ei­ne le­ben­di­ge Be­zie­hung mit un­se­rem Herrn?“ Ach du je, was für Fra­gen und die ka­men wie aus der Pis­to­le ge­schos­sen und ich hat­te noch über­haupt kei­ne Ge­le­gen­heit mein Buch vor­zu­stel­len. „Ja, das ha­be ich“, ant­wor­te­te ich. Und schon kam die nächs­te Fra­ge: „Sind sie auf un­se­ren Herrn ge­tauft?“ Auch hier konn­te ich mit „Ja“ ant­wor­ten. Aber nun wur­de es mir doch ein biss­chen zu viel. Wo war ich da bloß „ge­lan­det“. Nichts ge­gen Fra­gen zum Glau­ben, auch nicht über mei­nen per­sön­li­chen Glau­ben, aber so? Nein, das ge­fiel mir gar nicht und so er­zähl­te ich kurz et­was dar­über, wie ich zum Glau­ben kam, dass mir Je­sus er­schie­nen sei und zu mei­nem ers­ten Buch, wo ich das al­les be­schrie­ben ha­be und dann noch et­was zum zwei­ten Buch (mein drit­tes stand erst kurz vor der Ver­öf­fent­li­chung), leg­te die Fly­er hin und sag­te, dass die Bü­cher nor­mal be­stell­bar sei­en, dreh­te mich um, wünsch­te noch ei­nen schö­nen Tag und ver­ließ um­ge­hend den La­den. Ach du je, was war das denn?

Ich ha­be mich ge­fragt, wie es ei­nem Men­schen, der noch nicht „rich­tig“ gläu­big und auf der Su­che nach Je­sus Chris­tus ist, da­mit ge­hen wür­de. Als ich mit dem Chris­ten­tum noch nichts an­fan­gen konn­te, hät­te mich die­se Be­geg­nung noch wei­ter weg vom Chris­ten­tum ge­bracht. Muss ich erst be­stimm­te Din­ge tun, be­stimm­te Din­ge er­lebt ha­ben und er­le­ben, da­mit ich Christ bin? Geht es um Leistungen?

Wer sind die Men­schen, die in die­sem Buch­la­den kau­fen? Ich als gläu­bi­ge und be­ken­nen­de Chris­tin wür­de dort nicht ein­kau­fen. Mich hat es in ge­wis­sem Ma­ße ge­schockt, wie die Frau mit mir um­ge­gan­gen ist. Ob die­se Art nicht auch an­de­re Men­schen ver­schreckt? Als ich noch nichts mit dem Chris­ten­tum an­fan­gen konn­te, emp­fand ich Chris­ten im­mer so „schlei­mig“, sie re­de­ten im­mer so süß­lich und lie­be­voll und ta­ten so lieb und nett, und doch war das Ver­hal­ten dann nicht so, wie sie es zu­erst zeig­ten. Ich woll­te mit ih­nen nichts zu tun ha­ben. In die­ser Buch­hand­lung wa­ren die Frau­en nicht lieb­lich und süß, son­dern di­rekt und fast er­schla­gend. Sie ga­ben mir das Ge­fühl, wenn ich ih­re Fra­gen nicht be­ja­hen kann, dann bin ich nicht in Ord­nung, dann stimmt et­was mit mir nicht. Wie wir­ken die­se Fra­gen wohl auf an­de­re Men­schen, war das nur für mich so seltsam?

So wie es in der Kir­che vie­les gibt, was ganz und gar nicht ein­la­dend ist, so war es das für mich in die­sem Buch­la­den auch nicht. Wä­re ich nicht schon gläu­bi­ge Chris­tin, wür­de ich es nach die­ser Be­geg­nung nicht wer­den. Das Chris­ten­tum soll­te ein­la­dend sein. Aber vie­le Chris­ten schre­cken eher ab, statt dass sie einladen.

Mich lässt dies wie­der fra­gen, wie kön­nen Chris­ten ein­la­dend sein? Wie kön­nen und müs­sen wir Men­schen be­geg­nen, da­mit sie In­ter­es­se am Chris­ten­tum ent­wi­ckeln und sie sich Gott ge­gen­über öff­nen kön­nen? Wir soll­ten uns über­le­gen, wie wir spre­chen und handeln.

Mei­ne Buch­vor­stel­lungs­tour ging dann noch wei­ter. Die Klos­ter­schwes­ter in ei­nem an­de­ren Buch­la­den be­stell­te mein Buch noch wäh­rend ich dort war und zeig­te ech­tes In­ter­es­se und auch die Fly­er von die­sem Buch und auch von mei­nem ers­ten Buch durf­te ich dort las­sen. Halleluja 🙂

Und da­mit be­ließ ich es an die­sem Tag mit dem Wer­bung ma­chen. Mei­ne Ge­füh­le wa­ren sehr durch­mischt. Von Ent­täu­schung über Freu­de und ei­nem ge­wis­sen „Schock“ war al­les da­bei. Was mir Gott da­mit wohl sa­gen will?

Still, lei­se und unauffällig

Still, lei­se und un­auf­fäl­lig. So be­gann ei­ne gro­ße Ge­schich­te, so be­gann so­gar die größ­te und wich­tigs­te Ge­schich­te für uns Menschen.

Im Dun­keln, im Ein­sa­men, in ei­nem Stall. Das war der Ort, an dem es sich zutrug.

Die An­kün­di­gung er­ging nicht an Ober­häup­ter, nicht an Ge­lehr­te, son­dern an ein­fa­che Menschen.

Es ge­schah nicht schrift­lich, nicht durch gro­ße An­kün­di­gun­gen, son­dern nur für be­stimm­te Men­schen wahrnehmbar.

Hir­ten wa­ren es, die die Stim­me hör­ten, die von der fro­hen Bot­schaft sprach. En­gel wa­ren es, die es ih­nen ver­kün­de­ten. Und die Hir­ten glaub­ten den En­geln und mach­ten sich auf den Weg. Und sie fan­den al­les ge­nau so vor, wie ih­nen die En­gel ge­sagt hatten.

Wie wür­de es uns heu­te ergehen?

Stel­len Sie sich vor, sie wä­ren im Dun­keln zu Fuß un­ter­wegs und auf ein­mal hö­ren Sie ei­ne Stim­me, die zu Ih­nen spricht. Sie se­hen sich um, kön­nen aber kei­nen Men­schen se­hen. Auch von Ih­rem Han­dy ist die Nach­richt nicht ge­kom­men. Ge­ra­de als Sie sich den­ken, dass Sie sich das al­les nur ein­ge­bil­det ha­ben, wer­den Sie er­neut an­ge­spro­chen und Sie mer­ken, die Stim­me kommt von oben. Egal, ob Sie nun et­was se­hen oder nicht, Sie hö­ren die­se Stim­me und sie ist laut und ein­deu­tig. Sie sagt Ih­nen, dass Sie sich auf den Weg zu ei­nem ge­nau be­schrie­be­nen Ort ma­chen sol­len, um dort ei­ne be­son­de­re Si­tua­ti­on vor­zu­fin­den. Sie sagt Ih­nen, dass dort der Ret­ter der Welt zu fin­den sein wird und es sehr wich­tig für die Mensch­heit sei, dass Sie sich dort hin­be­ge­ben. Was wür­den Sie tun?

Wür­den Sie sich auf den Weg ma­chen? Oder wür­den Sie schnells­tens die dunk­le Ge­gend ver­las­sen? Oder wür­den Sie an Ih­rem Geis­tes­zu­stand zwei­feln und dar­über schweigen?

In un­se­rer heu­ti­gen Zeit, wo häu­fig nur noch das ge­glaubt wird, was man selbst ge­se­hen hat oder ei­nem die Wis­sen­schaft sagt, wür­de man an Stim­men aus dem Him­mel wohl eher nicht glau­ben. Doch das ist tra­gisch. Denn auch heu­te ist Gott noch er­fahr­bar und auch hör­bar. Und auch En­gel, al­so Bo­ten von Gott gibt es heu­te noch. Da­her ist es wich­tig, sen­si­bel zu wer­den für die lei­sen und un­auf­fäl­li­gen Din­ge, die um uns her­um ge­sche­hen und für die Stim­me, die uns öf­ter er­rei­chen und uns auf un­se­rem Weg hilf­reich zur Sei­te ste­hen will und sich öff­nen für Gott, für Ihn an­sprech­bar sein, auf sei­ne Si­gna­le oder Bo­ten ach­ten, die manch­mal un­ver­hofft, still und lei­se zu uns kom­men und nicht gleich zwei­feln, nur weil es nicht ins heu­ti­ge Welt­bild passt.

Gut, dass die Hir­ten nicht ge­zwei­felt ha­ben, als sie die Stim­me des En­gels hör­ten. Gut, dass sie sich auf den Weg ge­macht ha­ben, um Je­sus, un­se­ren Ret­ter zu fin­den. Ihn, der still, lei­se und un­auf­fäl­lig in ei­nem Stall zur Welt kam, in ei­ner Krip­pe lag und auf uns war­te­te und war­tet. An ihn sol­len wir an Weih­nach­ten den­ken, ihn be­schen­ken, so wie es auch da­mals die Wei­sen aus dem Mor­gen­land ta­ten. Sie brach­ten ihm die teu­ers­ten Ge­schen­ke: Gold, Weih­rauch und Myr­rhe. Und wir? Was sol­len wir ihm kost­ba­res schenken?

Je­sus möch­te kein Gold von uns, auch kein Geld. Das, was er sich von uns wünscht, ist, dass wir uns selbst ihm schen­ken. Dass wir uns ganz hin­ge­ben an IHN, an IHN, der uns ret­ten und auf den rech­ten Weg lei­ten will. Auf den Weg zu un­se­rem himm­li­schen Va­ter, auf den Weg zu Gott.

Je­sus ist es, durch den das Licht in die Welt kam, da­mit wir nicht im Dun­keln sit­zen. Sein Licht ist es, das un­se­re in­ne­re Fins­ter­nis ver­treibt und in uns ei­nen tie­fen Frie­den ein­zie­hen lässt. Er­in­nern wir uns dar­an, wenn wir an Weih­nach­ten durch hell er­leuch­te­te Stra­ßen lau­fen oder in ge­schmück­ten Räu­men sind. Je­sus kam auf die Er­de, um uns zu ret­ten. Er weist uns den rech­ten Weg, hö­ren wir auf sei­ne Stim­me, fol­gen wir ihm nach. Amen.

Ilo­na An­deregg, Weih­nach­ten 2016