Gott, ich bin müde

Gott, ich bin müde. Müde, darüber zu reden, was du mir Großes hast zukommen lassen, über das, was ich dank deiner Gnade erfahren durfte. Müde, weil niemand daran Interesse zu haben scheint. Weder „die Kirche“ mit ihren Theologen und Pfarrpersonen noch sonstige Gelehrte wollen hören, was ich mit dir und durch dich erlebt habe.

Sie wollen oder können nicht erkennen, dass du, mein Herr, einigen Menschen deine Nähe schenkst, eine Nähe, die andere nicht kennengelernt haben. Du allein entscheidest darüber, wer mehr von dir erfahren darf und wer nicht. Aber das will man nicht wahrhaben, will man nicht hören, will man nicht wissen. Denn sie, die Gelehrten, wollen genau wissen, wie du, mein Gott funktionierst. Sie meinen alles im Griff zu haben, dich im Griff zu haben, dir gleich zu sein oder vielleicht sogar noch höher und mächtiger zu sein als du.

Doch sie merken nicht, dass sie dein Wirken nicht verstehen, dass sie deine Worte missverstehen, doch sie reden voller Macht und voller Überzeugung. Und da ihre Worte so viel Kraft besitzen, ihre Stimmen so laut sind, übertönen sie damit die leisen Stimmen der Menschen, die dein Wort nicht hinausschreien, sondern es bewahren wollen, so wie es ist: heilig und voller Wirkung.

Sie, die lauten Stimmen, ersticken dein Wort. Sie erdrücken die Saat, die du mein Gott, ausgesät hast, mit ihren Dornen. Und geht doch ein Teil der Saat auf, sind ihre Früchte bitter.

Doch deine Frucht, mein Herr, ist süß, fruchtig und saftig. Dein Wort belebt und gibt Kraft. Es macht Lust darauf, mehr von dir zu hören, mehr von dir zu erfahren, mehr von deiner Nähe zu spüren.

Doch es macht müde, immer gegen die Lautstärke der Menschen anreden zu müssen. Denn wem hört man zu?

Auch du, mein Gott, sprichst nicht mit lauter Stimme, sondern in leisen Tönen. Du musst dich nicht laut erheben, nein, du sprichst so, wie es für die Menschen, die du erreichen möchtest, gut ist.

Nicht wer am lautesten ist, hat Recht, sondern du, mein Gott, hast die Worte der Wahrheit. Deine Worte erreichen nicht nur das Ohr, sondern unser Herz. Du erreichst unser Inneres, du verwandelst uns. Dein Wort dröhnt nicht, dein Wort erweicht. Es erweicht das Harte in uns, es zerbricht unsere inneren Mauern.

Doch auf das Leise wollen die Menschen nicht mehr achten. Sie wollen auch nicht aufbrechen, weder im Inneren, noch im Äußeren. Sie wollen alles haben, alles besitzen, alles erreichen. Doch sie wollen keine Veränderungen. Sie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Dass alles Bestand hat, so wie sie es sich errichtet haben, so wie sie es sich bequem eingerichtet haben.

Doch dein Wort lässt nichts wie zuvor. Dein Wort berührt, dein Wort rüttelt auf, dein Wort lässt Altes zerbrechen, lässt alles in Frage stellen, lässt den alten Menschen zurück. Ein Neubeginn steht bevor.

Doch Veränderungen will der Mensch nicht. Ungewissheit will der Mensch nicht. Der Mensch will alles beherrschen, will alles im Griff haben, alles unter Kontrolle haben. Doch du, mein Gott, bist Herr. Du bist der Herr der Welt, du bist der Schöpfer von Himmel und Erde und von allem, was ist und sein wird. Du bist Herr und bleibst Herr. Und nur wer dich als Herr erkennt und dich als Herr anerkennt, wird deine Herrschaft so anerkennen, dass er sich dir unterwirft. Unterwerfen heißt nicht, dass wir keinen freien Willen mehr haben werden, sondern, dass wir uns vertrauensvoll an dich wenden dürfen, uns von dir führen lassen dürfen, wir dir unsere Schwachheit überlassen, damit du uns deine Stärke geben kannst.

Nur durch dich und mit dir ist echtes Leben lebbar. Denn du bist unsere Quelle, aus dir sind wir geschaffen, durch dich leben wir und durch dich werden wir belebt, wenn wir innerlich zu verdorren drohen.

Doch die Menschen wollen es ohne dich schaffen. Sie glauben, sie sind stark. Sie glauben, sie wissen alles und können alles und daher fragen sie nicht mehr nach dir. Du, mein Gott, wurdest aus ihren Leben verbannt. Es geht ihnen zu gut, um nach dir zu fragen. Und wenn es ihnen nicht gut geht oder es Katastrophen gibt, dann sagen sie, dass es so etwas Schlechtes nicht geben würde, gäbe es einen Gott.

So drehen sie alles hin und her, um um dich herum zu kommen. Doch du bist da, mein Gott, ich weiß es, ich habe dich erlebt, ich kann dich bezeugen. Doch wenn ich davon erzählen möchte, will man es nicht hören.

Diese Menschen beschäftigen sich mit Mystik und drehen die Bedeutung davon so lange hin und her, bis sie für sie stimmt. Sie behaupten, wenn sie Bücher über Mystik lesen, sind sie selbst Mystiker. Oder sie behaupten, sie sind auf einem mystischen Weg unterwegs und sind daher Mystiker. Aber was ist ein „mystischer Weg“? Sie behaupten, jeder ist ein Mystiker oder jeder kann ein Mystiker sein. Sie bieten Wege und Kurse an, um Mystiker zu werden. Sie behaupten, Mystik ist nichts Übersinnliches, nichts Ungewöhnliches, nichts Besonderes. Sie alle reden über Mystik, erkennen aber nicht, was sich tatsächlich dahinter verbirgt. Sie wollen auch gar nicht hören, dass du, mein Gott, bestimmte Menschen auserwählst oder auserwählt hast, denen du deine so extreme Nähe und Liebe geschenkt hast. Dass du allein dieses Geschenk den Erwählten hast zukommen lassen. Sie wollen dies nicht wahrhaben, denn sie alle wollen sich auf die gleiche Stufe stellen wie die, die etwas Außergewöhnliches erlebt haben. Daher wollen sie nicht hören, dass es Menschen gibt, die du, mein Gott, mit solchen besonderen Gaben beschenkst. Sie sagen, Visionen und Auditionen sind unwichtig. Dabei sind dies Gaben von dir. Wie kann etwas, was von dir kommt, unwichtig sein? Nein, diese Gaben sind ebenso wichtig, wie alles andere, was du uns schenkst.

Deine überfließende Liebe ist unbeschreiblich, und sie zu teilen ist etwas, was so sehr notwendig ist. Doch wie soll das gehen, wenn niemand von deiner Liebe berührt werden will? Oder nur auf die Art und Weise, wie es jeder für sich selbst haben will?

Solange „unwissende“ Menschen ihre Stimme laut erheben, so lange wird der Mensch, der dich, mein Gott, so tief erlebt hat, dass alles Alte in ihm zerstört wurde und du in ihm eine neue Innerlichkeit aufgebaut hast, nicht erhört werden. So lange kann ich nicht erhört werden.

Wie, mein Gott, kann ich deine Liebe, dein Wort, dein Wirken unter die Menschen bringen, wenn meine Stimme nicht durch die Lautheit der von sich so sehr überzeugten Menschen dringen kann?

Die Welt scheint keinen Platz mehr für die leisen, sensiblen, empfindsamen Menschen zu haben.

Ich möchte über dich reden, Herr. Über dein Wirken berichten. Darüber, was du mir geschenkt hast, mein Gott. Darüber, wie du mich berührt und verändert hast und was aus deinem Wirken geworden ist. Und auch darüber, wie schwer es ist, heute darüber zu reden und richtig verstanden zu werden.

Jeder will Mystiker sein, jeder will seinen Glauben so zusammenmixen, wie er es möchte. Es gibt keine Grenzen mehr, es gibt keine eindeutigen Wege mehr, es gibt keine Einschränkungen. Alles ist möglich und alles ist zugelassen. Es gibt keine Tabus mehr und alles ist recht. Sogar in deinem Namen wird vieles „verkauft“. Der Glaube an dich wird „verramscht“. Der Glaube an dich wird verwässert. Alles ist gut, solange es nicht irgendwie böse ist. Alle Wege sollen angeblich zu dir führen. Wofür hast du Jesus geschickt, wenn es doch nicht nur diesen einen Weg gibt, den du uns durch Jesus aufgezeigt hast? Ist Jesus vergessen worden, ist Jesus umsonst zu uns gekommen?

Jesus hat schon davor gewarnt, dass viele falsche Propheten auftreten werden. Sind wir blind dafür geworden? Sind wir taub geworden? Fällt dein Wort nur noch auf harten Boden? Oder wird dein Wort durch falsche Worte erstickt? Bringen die Samen nur noch bittere Früchte, weil sie auf falschen Grund fallen und sie somit verderben?

Gott, wo sind die Menschen, die offen sind für deine Worte? Wo sind die Menschen die erfahren wollen, wie du bist und wie du wirkst? Wo sind die Menschen, die hören wollen, was du von ihnen und für sie möchtest? Wo soll ich reden von dir? Wo kann ich den Boden auflockern, damit du deine guten Worte säen kannst und sie gute Frucht bringen können? Wie und wo soll ich wirken? Gott, zeige mir den Weg, den ich gehen soll, damit ich dir dienen kann und ich damit den Menschen Gutes tun und ihnen helfen kann und ich somit deinen Auftrag umsetzen kann.

Gott, bitte hilf mir gegen meine Müdigkeit. Gott, bitte hilf mir gegen die lauten Stimmen in der Welt. Hilf mir, damit meine leisen Worte gute Frucht bringen und die Menschen sich dadurch öffnen für dich, deine Worte und deine unendliche Liebe. Amen

31.07.2020

Weihnachten 2019

Weihnachten 2019

Es ist kälter geworden und die Tage sind nicht mehr so lang von Helligkeit durchzogen.

Wir hetzen durchs Leben, durch die Straßen, durch die Stadt, vorbei an Lichterketten, die uns die Dunkelheit erhellen wollen.

Wir laufen über Weihnachtsmärkte, die uns mit den verschiedensten Gerüchen zu Glühwein, Waffeln oder einer Bratwurst einladen.

Wir gehen in viele Geschäfte auf der Suche nach Dingen, die wir gar nicht benötigen, um etwas zu ergattern, was wir verpacken und verschenken können, weil wir wissen, dass andere Menschen dies ebenfalls so tun.

Auch wenn wir nach und nach die Kerzen auf dem Adventskranz entzünden und die Türchen des Adventskalenders öffnen, vergessen wir oft vor lauter Hetze und Stress die Bedeutung des Ereignisses, das so wichtig ist, dass wir es jedes Jahr erneut feiern. Es geht nicht um Urlaub, Weihnachtsbäume und Päckchen, sondern es geht um das einzige Geschenk, das jeden Menschen ganz persönlich betrifft, es geht um die Geburt von Jesus Christus.

Mit Jesus kam Gott selbst zu uns Menschen. Mit ihm kam das Licht in die Welt, das Licht, das unsere innere Dunkelheit vertreibt. Er ist es, der uns den Weg zum Himmel zeigt, wenn wir auf seinem Weg wandeln. Er ist es, der uns den wahren Frieden und seine unendliche Liebe schenkt, die wir spüren, wenn wir „ja“ zu ihm sagen.

Freuen wir uns auf das einzige Geschenk, das wirklich wichtig ist für uns und öffnen wir nicht nur die Türen des Adventskalenders sondern auch unsere Herzenstür, damit Weihnachten auch in unserem Inneren stattfinden kann und Jesus auch in uns geboren wird.

Bild könnte enthalten: 3 Personen

Weihnachten 2018

Weihnachten 2018

Es ist dunkel. Sie liegen im Bett und denken über den vergangenen Tag nach. Ja, es war viel zu erledigen, aber Sie haben ihre Arbeit gut bewältigt. Auch das Einkaufen am Abend hatte reibungslos geklappt, das Essen hatte geschmeckt und das Telefongespräch mit einem Freund war schön und harmonisch gewesen. Es passte rundherum.

Doch nun liegen Sie da und können nicht einschlafen. Sie schauen zum Fenster hinaus, sehen den Mond und die Sterne und stellen fest, wie klar der Himmel ist. Alles ist ruhig. Auf einmal wird es strahlend hell in Ihrem Schlafzimmer. Es ist, als ob mit einem starken Strahler in Ihr Zimmer hinein geleuchtet wird. Sie bekommen Angst, sind starr vor Schreck, wissen nicht, was da gerade vor sich geht.

Auf einmal sehen Sie etwas in dem hellen Licht. Zuerst ist es noch undeutlich, doch dann erkennen Sie, dass es ein Engel ist, der Sie anschaut.

Ein Engel? Gibt es so etwas? Ach, denken Sie, Sie sind wohl doch schon eingeschlafen und träumen. Doch als Sie sich mit den Händen über die Augen reiben, merken Sie, dass Sie hellwach sind und das Licht und der Engel immer noch da sind.

Ihre Angst wird stärker. Da hören Sie die Worte: „Fürchte dich nicht!“

„Hä? Was ist denn nun los, was passiert mit mir?“, fragen Sie sich. „Habe ich zu viel getrunken oder bin ich krank? Spinne ich?“ Als Sie noch darüber nachdenken, was das sein könnte, was Ihnen gerade passiert, spricht der Engel erneut zu Ihnen. Er erzählt, dass etwas Großes passiert ist. Er redet von Frieden und Liebe und etwas von einem Retter. Er spricht von einem Ort, wo sich dies alles gerade ereignet.

Immer noch glauben Sie zu träumen, aber da erscheinen am Himmel weitere Engel und singen vor Freude und jubeln begeistert.

Sie setzen sich auf, das Licht vergeht, die Engel sind verschwunden. War es doch nur ein Traum?

Die Müdigkeit ist verschwunden, die Angst ebenso. Was tun? Schlafen und alles als Einbildung abtun? Versuchen zu erklären, ob es das, was Sie gerade erlebt haben, tatsächlich gibt? Oder darüber schweigen?

Da kommt Ihnen eine Idee. Sie springen aus dem Bett, ziehen sich an und fahren mit dem Auto durch die Dunkelheit an den Ort, den Ihnen der Engel genannt hat. Als Sie an der genannten Adresse ankommen, öffnen Sie die Tür, schauen vorsichtig hinein und sehen alles genau so, wie es der Engel beschrieben hat. Es war kein Traum. Sie sind überwältigt und fragen sich, warum Sie bisher an solchen Phänomenen gezweifelt haben.

Wie würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, reagieren? Würden Sie daran zweifeln, dass es Engel gibt? Würden Sie daran zweifeln, dass ein Engel oder gar Gott selbst zu Ihnen reden kann? Wären Sie losgefahren und hätten nachgesehen, ob es wahr ist, was Sie erlebt haben oder hätten Sie es für einen Traum gehalten?

Egal was Ihnen gerade durch den Kopf geht, eines ist sicher: Gott redet tatsächlich zu uns. Manchmal macht er es direkt, manchmal nutzt er Boten dafür. Gott hat schon immer zu uns Menschen geredet und tut es auch heute noch. Leider sind wir heute so geprägt, dass alles, was nicht wissenschaftlich erklärbar ist, nichts wert ist. Wenn wir uns aber öffnen und wieder sensibler werden für all die Dinge, die zwischen Himmel und Erde existieren, dann werden auch wir Gott erfahren und mit einer unendlichen Liebe und einem tiefen inneren Frieden erfüllt, die es nur von ihm gibt.

Diese unendliche Liebe und dieser tiefe innere Friede von Gott sind es, die die Menschen einander die Hände reichen und jeden Krieg verebben lassen.

Daher öffnen wir unsere Sinne, werden wir durchlässig für Gott und lassen uns von ihm erfüllen, damit der Friede von Gott, der Friede unseres Herrn Jesus Christus um die Welt gehen kann und es Frieden gibt auf der ganzen Welt. Und damit auch wir wie die Engel, die in der Weihnachtsgeschichte den Hirten die Geburt unseres Retters verkündeten, vor Freude jubilieren und in den Lobgesang mit einstimmen werden. Denn wer Gott erfährt, der kann nur jubeln vor Freude und Glückseligkeit.

Ich wünsche Ihnen ein friedliches und besinnliches Weihnachtsfest und offene Sinne und Neugierde auf Gottes Botschaft.

„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.“

Ilona Anderegg

 

Zweifeln

Zweifeln

Keine Zweifel vorhanden,
oder doch?

Warum können wir Luft einatmen,
obwohl wir doch keine Luft sehen?
Woher wollen wir wissen,
dass es Luft gibt?

Warum sprechen wir über ein Vakuum,
obwohl wir es nicht anfassen
oder vermessen können?

Warum sind Gedanken vorhanden,
obwohl sie nicht greifbar sind?

Wo sind die Erinnerungen hin,
wenn wir uns an etwas nicht besinnen können?

Wieviel Zuneigung braucht es,
um von Liebe zu sprechen?

Wann ist Liebe keine Liebe
und gibt es sie überhaupt,
wenn sie wissenschaftlich nicht greifbar ist?

Über all die oben genannten Dinge
machen wir uns wenig Gedanken
und zweifeln daran überhaupt nicht.

Wenn wir also daran glauben,
dass es Luft,
Vakuum,
Erinnerungen
und Liebe gibt,
warum zweifeln wir dann daran,
dass es Gott gibt?

Ilona Anderegg

Aus meinem Buch: 
„Höher sehen. Weisheiten und Betrachtungen“ 
ISBN 978-3741895746

Du bist alles

Reden,
sich mitteilen,
die Liebe teilen.

Auf Jesus verweisen,
Gott verkünden.

Ich möchte über dich reden, Herr,
erzählen, wie du bist.

So stark,
so überwältigend,
so verwirrend,
das Leben zerrüttelnd.

Aber zugleich so toll,
so unbeschreiblich,
mit nichts zu vergleichen.

So erfüllend,
umhüllend,
so alles in allem,
nicht mit Worten auszudrücken.

Du bist alles.
Ohne dich ist nichts.

Du bist wie der Atem,
ohne den ich nicht leben kann.

Du bist wie das Herz,
das be-lebt.

Du bist wie ein Reiz,
der sich durch den gesamten Körper fortsetzt
und jede Zelle erreicht.

Du bist wie die Haut,
die mich umhüllt.

Du bist Windhauch
und zugleich Orkan.

Du bist ein Wassertropfen
und zugleich ein Meer.

Du bist mal Glut,
mal loderndes Feuer.

Du brennst,
verbrennst aber nicht.

Du bist wie meine Knochen,
stützend und Halt gebend.

Du bist mein Ohr,
meine Augen,
mein Mund.

Du bist ich
und ich bin du.

Einer geht nicht ohne den anderen.

Wir sind eins.

Ilona Anderegg

Aus meinem Buch:
„Nur du kannst unsere Sehnsucht stillen. Geistliche Texte“
ISBN 978-3746707723

Weihnachten

Nicht das Laute ist das, was wirkt,
nicht das Starke ist entscheidend,
auch nicht das Geld, der Ruhm und die Anerkennung.

Das Leise ist es, was berührt,
das Schwache ist uns nah.

Das, was am Anfang unscheinbar scheint,
das, was wir nicht beachten oder wo wir darüber hinwegsehen, ist es,
was wirklich groß ist.

Das Kleine wird groß,
das Schwache wird stark,
das Einfache zu etwas Besonderem.
Die Dunkelheit wird erhellt,
die Nacht erleuchtet.

Die einfachen Menschen erkannten die Zeichen,
die Weisen machten sich auf den Weg,
auf den Weg zu dem einfachen Ort,
an dem Großes geschah.

Ein Ereignis, das die Welt verändern sollte.
Ein Geschehen, was die Menschen berühren und erfüllen sollte,
was den Menschen Frieden und Freude bringt.
Ein Licht in der Dunkelheit
und Liebe, die immer und ewig währt.
Damals und heute noch.

Das alles und so viel mehr,
durch Jesu Geburt.

Ilona Anderegg, Weihnachten 2017

 

Feuer, Frieden, Licht

Es kann noch so kalt sein,
Gott wird dich innerlich erwärmen.

Es kann noch so stürmisch sein,
Gott wird dir tiefen Frieden geben.

Es kann noch so dunkel sein,
Gott gibt dir ein inneres Licht,
so dass dich kein Weg ins Düstere führt,
du nicht wanken musst und nicht erkalten.

Gott ist dein Feuer, dein Frieden und dein Licht.

Bleib bei Gott und er bleibt bei dir.
Geh zu Gott und er geht mit dir.
Verweise auf Gott und dein Weg wird nie mehr einsam sein,
denn dann werden auch andere Menschen mit Gott und dir unterwegs sein.

Gib ab vom Feuer, von der inneren Ruhe und vom Licht, das du von Gott erhalten hast und immer wieder erhältst. So kannst du es vermehren.

Sei selbst Feuer, Frieden und Licht.

Sei immer mehr Gott, nicht Gott selbst, aber werde Gott immer ähnlicher.

Geh mit Gott, folge Jesus nach, wandle in seinem Geist,
damit die Welt wärmer, friedlicher und heller wird,
dank Gottes Hilfe und dank dir. Amen.

Ilona Anderegg, 27.09.2017

Buch, Buchhandlungen und die Frage: „Wie können wir Christen einladend sein?“

Wenn man Bücher schreibt, muss man auch dafür sorgen, dass bekannt wird, dass es sie gibt. Daher bin ich mit Leseprobe, Flyer und Buch losgezogen, um mein Buch in den Buchhandlungen vorzustellen.

Es kostete mich Überwindung, aber trotzdem ging ich frohen Mutes in den ersten Buchladen. Ich stellte mich der Buchhändlerin vor und zeigte ihr mein Buch. Sie schaute nur kurz auf die Rückseite und sagte „Aha, bei epubli veröffentlicht, das ist gut, das ist dann normal bestellbar“, legte das Buch zur Seite und redete von Zahlen, Kosten, Umsätzen, Gewinnen und davon, wie viele Bücher pro Jahr auf den Markt kämen und, und, und. Außerdem würden Kunden, die christliche Bücher suchen, nicht zu ihnen kommen (obwohl sie eine Ecke haben, wo es christliche Literatur gibt). Kurz und knapp: Sie schaute sich die Leseprobe nicht an, schaute nicht ins Buch, las auch nicht die Beschreibung auf der Rückseite und der Flyer war ebenfalls uninteressant. Fazit: Ich bin wieder gegangen und habe alles wieder mitgenommen. Schade, dass es in diesem Buchladen nur um Zahlen geht und man mir als Kundin und regionale Autorin keine Chance gibt.

Dann bin ich in eine weitere Buchhandlung gegangen. Die Chefs waren nicht anwesend, aber eine sehr freundliche Mitarbeiterin. Sie nahm die Leseprobe und den Flyer entgegen, schaute sich das Buch an und sagte mir, dass sie ihre Chefs informieren würde. Ich solle bei Gelegenheit einfach noch einmal reinschauen und auch mal selbst mit den Chefs reden. Das war für mich sehr erfreulich.

Jetzt gab es noch eine weitere Buchhandlung, eine christliche, aber dort war ich das letzte Mal drin, bevor ich in die Schweiz gezogen bin. Aber mir gefiel es dort nicht, es war irgendwie komisch (ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll). Ich zögerte, soll ich dort hingehen oder besser nicht? Da ich aber mein Buch bekannt machen möchte, war ich mutig. Ich schaute durchs Fenster in den Laden und sah zwei Frauen hinter einer Theke und einem Tisch. Ich öffnete die Tür und ging hinein. Ich fragte, ob ich ihnen mein neues Buch vorstellen darf.  Die Frau hinter der Theke schaute mich an und fragte: „Sind sie wiedergeborener Christ?“ dabei schaute sie mich sehr intensiv an. Ich war etwas perplex. „Ja“, sagte ich. Es dauerte nur ein paar Sekunden da kam die nächste Frage: „Haben sie eine lebendige Beziehung mit unserem Herrn?“ Ach du je, was für Fragen und die kamen wie aus der Pistole geschossen und ich hatte noch überhaupt keine Gelegenheit mein Buch vorzustellen. „Ja, das habe ich“, antwortete ich. Und schon kam die nächste Frage: „Sind sie auf unseren Herrn getauft?“ Auch hier konnte ich mit „Ja“ antworten. Aber nun wurde es mir doch ein bisschen zu viel. Wo war ich da bloß „gelandet“. Nichts gegen Fragen zum Glauben, auch nicht über meinen persönlichen Glauben, aber so? Nein, das gefiel mir gar nicht und so erzählte ich kurz etwas darüber, wie ich zum Glauben kam, dass mir Jesus erschienen sei und zu meinem ersten Buch, wo ich das alles beschrieben habe und dann noch etwas zum zweiten Buch (mein drittes stand erst kurz vor der Veröffentlichung), legte die Flyer hin und sagte, dass die Bücher normal bestellbar seien, drehte mich um, wünschte noch einen schönen Tag und verließ umgehend den Laden. Ach du je, was war das denn?

Ich habe mich gefragt, wie es einem Menschen, der noch nicht „richtig“ gläubig und auf der Suche nach Jesus Christus ist, damit gehen würde. Als ich mit dem Christentum noch nichts anfangen konnte, hätte mich diese Begegnung noch weiter weg vom Christentum gebracht. Muss ich erst bestimmte Dinge tun, bestimmte Dinge erlebt haben und erleben, damit ich Christ bin? Geht es um Leistungen?

Wer sind die Menschen, die in diesem Buchladen kaufen? Ich als gläubige und bekennende Christin würde dort nicht einkaufen. Mich hat es in gewissem Maße geschockt, wie die Frau mit mir umgegangen ist. Ob diese Art nicht auch andere Menschen verschreckt? Als ich noch nichts mit dem Christentum anfangen konnte, empfand ich Christen immer so „schleimig“, sie redeten immer so süßlich und liebevoll und taten so lieb und nett, und doch war das Verhalten dann nicht so, wie sie es zuerst zeigten. Ich wollte mit ihnen nichts zu tun haben. In dieser Buchhandlung waren die Frauen nicht lieblich und süß, sondern direkt und fast erschlagend. Sie gaben mir das Gefühl, wenn ich ihre Fragen nicht bejahen kann, dann bin ich nicht in Ordnung, dann stimmt etwas mit mir nicht. Wie wirken diese Fragen wohl auf andere Menschen, war das nur für mich so seltsam?

So wie es in der Kirche vieles gibt, was ganz und gar nicht einladend ist, so war es das für mich in diesem Buchladen auch nicht. Wäre ich nicht schon gläubige Christin, würde ich es nach dieser Begegnung nicht werden. Das Christentum sollte einladend sein. Aber viele Christen schrecken eher ab, statt dass sie einladen.

Mich lässt dies wieder fragen, wie können Christen einladend sein? Wie können und müssen wir Menschen begegnen, damit sie Interesse am Christentum entwickeln und sie sich Gott gegenüber öffnen können? Wir sollten uns überlegen, wie wir sprechen und handeln.

Meine Buchvorstellungstour ging dann noch weiter. Die Klosterschwester in einem anderen Buchladen bestellte mein Buch noch während ich dort war und zeigte echtes Interesse und auch die Flyer von diesem Buch und auch von meinem ersten Buch durfte ich dort lassen. Halleluja 🙂

Und damit beließ ich es an diesem Tag mit dem Werbung machen. Meine Gefühle waren sehr durchmischt. Von Enttäuschung über Freude und einem gewissen „Schock“ war alles dabei. Was mir Gott damit wohl sagen will?

Still, leise und unauffällig

Still, leise und unauffällig. So begann eine große Geschichte, so begann sogar die größte und wichtigste Geschichte für uns Menschen.

Im Dunkeln, im Einsamen, in einem Stall. Das war der Ort, an dem es sich zutrug.

Die Ankündigung erging nicht an Oberhäupter, nicht an Gelehrte, sondern an einfache Menschen.

Es geschah nicht schriftlich, nicht durch große Ankündigungen, sondern nur für bestimmte Menschen wahrnehmbar.

Hirten waren es, die die Stimme hörten, die von der frohen Botschaft sprach. Engel waren es, die es ihnen verkündeten. Und die Hirten glaubten den Engeln und machten sich auf den Weg. Und sie fanden alles genau so vor, wie ihnen die Engel gesagt hatten.

Wie würde es uns heute ergehen?

Stellen Sie sich vor, sie wären im Dunkeln zu Fuß unterwegs und auf einmal hören Sie eine Stimme, die zu Ihnen spricht. Sie sehen sich um, können aber keinen Menschen sehen. Auch von Ihrem Handy ist die Nachricht nicht gekommen. Gerade als Sie sich denken, dass Sie sich das alles nur eingebildet haben, werden Sie erneut angesprochen und Sie merken, die Stimme kommt von oben. Egal, ob Sie nun etwas sehen oder nicht, Sie hören diese Stimme und sie ist laut und eindeutig. Sie sagt Ihnen, dass Sie sich auf den Weg zu einem genau beschriebenen Ort machen sollen, um dort eine besondere Situation vorzufinden. Sie sagt Ihnen, dass dort der Retter der Welt zu finden sein wird und es sehr wichtig für die Menschheit sei, dass Sie sich dort hinbegeben. Was würden Sie tun?

Würden Sie sich auf den Weg machen? Oder würden Sie schnellstens die dunkle Gegend verlassen? Oder würden Sie an Ihrem Geisteszustand zweifeln und darüber schweigen?

In unserer heutigen Zeit, wo häufig nur noch das geglaubt wird, was man selbst gesehen hat oder einem die Wissenschaft sagt, würde man an Stimmen aus dem Himmel wohl eher nicht glauben. Doch das ist tragisch. Denn auch heute ist Gott noch erfahrbar und auch hörbar. Und auch Engel, also Boten von Gott gibt es heute noch. Daher ist es wichtig, sensibel zu werden für die leisen und unauffälligen Dinge, die um uns herum geschehen und für die Stimme, die uns öfter erreichen und uns auf unserem Weg hilfreich zur Seite stehen will und sich öffnen für Gott, für Ihn ansprechbar sein, auf seine Signale oder Boten achten, die manchmal unverhofft, still und leise zu uns kommen und nicht gleich zweifeln, nur weil es nicht ins heutige Weltbild passt.

Gut, dass die Hirten nicht gezweifelt haben, als sie die Stimme des Engels hörten. Gut, dass sie sich auf den Weg gemacht haben, um Jesus, unseren Retter zu finden. Ihn, der still, leise und unauffällig in einem Stall zur Welt kam, in einer Krippe lag und auf uns wartete und wartet. An ihn sollen wir an Weihnachten denken, ihn beschenken, so wie es auch damals die Weisen aus dem Morgenland taten. Sie brachten ihm die teuersten Geschenke: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und wir? Was sollen wir ihm kostbares schenken?

Jesus möchte kein Gold von uns, auch kein Geld. Das, was er sich von uns wünscht, ist, dass wir uns selbst ihm schenken. Dass wir uns ganz hingeben an IHN, an IHN, der uns retten und auf den rechten Weg leiten will. Auf den Weg zu unserem himmlischen Vater, auf den Weg zu Gott.

Jesus ist es, durch den das Licht in die Welt kam, damit wir nicht im Dunkeln sitzen. Sein Licht ist es, das unsere innere Finsternis vertreibt und in uns einen tiefen Frieden einziehen lässt. Erinnern wir uns daran, wenn wir an Weihnachten durch hell erleuchtete Straßen laufen oder in geschmückten Räumen sind. Jesus kam auf die Erde, um uns zu retten. Er weist uns den rechten Weg, hören wir auf seine Stimme, folgen wir ihm nach. Amen.

Ilona Anderegg, Weihnachten 2016

Gastfreundschaft

Gestern (Sonntag) fuhr ich mit meinem Mann zu einer uns unbekannten Kirche in der Nähe unseres Wohnortes. Wir wollten diese besichtigen.

Als wir dort ankamen, bemerkten wir durch die leicht offen stehende Tür, dass sich noch einige Personen im Eingangsbereich der Kirche aufhielten. Zuerst zögerten wir kurz, aber dann gingen wir auf die Kirche zu. Es war kurz nach zwölf Uhr mittags, daher konnte es sich nicht mehr um einen Gottesdienst handeln, wir würden also nicht stören. Als wir näher kamen, sahen wir, dass es sich um einen Kirchenkaffee (also den Kaffee nach dem Gottesdienst) handelte, den es in einige Gemeinden gibt. Wir gingen zur Tür und traten ein. Die Menschen sahen uns an und ließen uns wortlos durch, so dass wir den Kirchenraum betreten konnten.

Es war eine sehr interessante Kirche und obwohl sie einmal zerstört worden war, gab es noch eine alte, schöne Wandmalerei. Auch die Atmosphäre gefiel mir sehr gut. Wir gingen durch die Kirche, blieben immer wieder stehen und schauten uns um. Dabei wurden wir von den unterschiedlichen Menschen beobachtet, die sich dort an verschiedenen Orten aufhielten. Wir standen sogar einmal direkt neben ein paar von ihnen, so dicht, dass wir ihre Gespräche hören konnten. Aber außer uns seltsam anzuschauen, geschah nichts. Dabei hatte ich gehört, dass diese Kirchgemeinde sehr lebendig und einladend sei. Ich fühlte mich allerdings nicht eingeladen, sondern eher wie ein Sonderling, mit dem man nichts anfangen kann, wo man sich fragt, wie es sein kann, dass sich ein Mensch einfach so in der Kirche umschaut, einfach so in „ihrem“ Gebäude herumgeht?

Ich hätte mich sehr über ein „Guten Tag“ oder ein „Hallo“ gefreut. Oder auch über ein paar Infos über das Kirchengebäude und/oder über eine Einladung zum nächsten Gottesdienst oder zu einer anderen Veranstaltung ihrer Gemeinde. Von der Freude über eine Einladung zu einer Tasse Kaffee will ich hier ja gar nicht schreiben.

Und wieder ist sie da, meine übliche Frage: „Wo bleibt die Gastfreundschaft?“ Und wo sind die Menschen, die andere Menschen zu Jesus führen möchten? Wo sind die gläubigen Menschen, die dafür brennen, die frohe Botschaft weiterzugeben? Warum bleibt man lieber untereinander und redet weiter und „wirft“ uns nur komische Blicke zu, statt einen Fremden als Chance zu sehen?

In der Kirche wird über Gastfreundschaft geredet und gepredigt. Doch es bleibt bei Worten, statt bei Taten.

Jesus sprach: „Ich war fremd und ihr habt mich bei euch aufgenommen“ (Mt, 25,35b) Würde Jesus heute noch aufgenommen?